Zeitenfluß
Mit riesig schnellen Schritten hält der Herbst Einzug. Morgens, 6 Uhr am Bahnhof zu sitzen, die Nebelschwaden zu sehen, Landschaft in Moll, Menschen mit Wintergesichtern - niemand lächelt, Erinnerungen an einen meiner besten Urlaube die ich je hatte - Wehmut ermächtigt sich meiner, eine lange schon nicht mehr empfundene Melancholie ist präsent. Das sanft über die helle Zeit aufgebaute Wohlbefinden erhält Risse. Um 18 Uhr fahren die Autos mit Licht, die Wolken hängen tief. Mein wollener Pullover saugt die Regentropfen auf und ich schwitze, kalt ist es noch nicht. Aber dunkel, dunkel, dunkel.
Kaufe rasch 3 Flaschen Wein, ja so ein „Wetter“ will betrunken sein. Manchmal frage ich mich, wie ein Mensch mit Empfindsamkeit dies alles ertragen soll. Warum können die hungernden Schwarzen in Afrika immerfort lachen – und ich nicht. Ich müsste glücklich sein, und bin es nicht. Habe Sehnsucht nach Ich-Auflösung. Will mich nicht mehr spüren, diese ständigen Anstrengungen für ein bisschen Glück. Kann auch nicht akzeptieren, warum wir in einer hochtechnisierten Welt leben, welche – von Ausnahmen abgesehen, nach recht archaischen Prinzipien funktioniert. Und dann dieses Wetter, wie kann man da denn bitte schön Leichtigkeit des Lebens leben? Nur durch Verdrängung mit Leistung, Konsum und Drogen? Ja, ich weiß es gibt noch andere Wege . . ., aber wozu, ändern tut sich doch nichts. Das wirklich einzig entzückende ist ein Kinderlachen, tanzen bis man nur noch den Rhythmus spürt und Nähe mit seinen Freunden und Liebsten.
Jetzt muss ich mir wieder „Meilensteine“ setzen, um die dunkle Zeit überstehen zu können. Meiner Tochter Geburtstag, Weihnachten, Sylvester, Schlittschuhlaufen. Muss nun meine Amaryllis aus der Erde holen, trocknen, damit im Februar die Blüten erfreuen können……
Ach was, ich fahr am Wochenende Pilze suchen und werde tief den Duft des Waldes atmen (und Spinnenfäden sammeln ☺).






















































